Lunch with Ole von Beust, 26.03.2010
um letzten jour fixe des Ambassadors Club im Hotel Grand Hyatt erschienen 40 Botschafterinnen und Botschafter, um Ole von Beust, den Ersten Bürgermeister von Hamburg, live zu erleben. Freiherr von Beust, seit fast 40 Jahren politisch tätig und Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft seit 1978 – damals war er das jüngste Mitglied, sprach über die Erfahrungen der ersten deutschen schwarz-grünen Koalitionsregierung.
In den letzten 30 Jahren sei es zu großen Veränderungen in der Gesellschaft gekommen. Während es früher klare Weltbilder gab, die Ehe, Familie, Wirtschaft, Sicherheit und andere gesellschaftliche Bereiche eindeutig definiert hätten, hätten sich heute viele Einstellungen und Lebensformen vermischt. Ein klares konservativ-bürgerliches Weltbild wie damals gäbe es nicht mehr, so der Hamburger Bürgermeister. In den Großstädten gehörten nur 25-30% der Wähler zur Stammwählerschaft, die meisten Menschen entschieden sich politisch immer wieder neu. Politik müsse sich an diese veränderte Situation anpassen und ebenfalls immer wieder neue Wege und Partner suchen.
Die Grüne Partei stand früher für Alternative, heute bekäme sie viele Stimmen aus traditionell bürgerlichen Kreisen. Die Grünen hätten sich mit der Zeit auch verändert und Verantwortung in vielen gesellschaftlichen Bereichen neu definiert. In Hamburg hätten sie sich als diskrete, zuverlässige und menschliche Partner gezeigt. Sie verhandelten hart, aber könnten gut einschätzen, wo die Schmerzgrenze des Verhandlungspartners liege.
Die Koalitonspartner in Hamburg seien sich einig, die wichtigsten Elemente der heutigen Politik seien Integration und eine nachhaltige Finanzpolitik, die Rücksicht auf die kommende Generation nehme. Beim Thema Integration spiele Bildung und Erziehung eine Schlüsselrolle und Hamburg investiere in diesen Bereich sehr viel. Die Konservativen hätten den Antrag ihrer grünen Partner unterstützt und die Grundschule von 4 auf 6 Jahre gedehnt. Gleichzeitig hätten die Grünen das Bauvorhaben einer zweiten Autobahn durch den Hafen und die Pläne für ein neues Kohlekraftwerk unterstützt.
Die anwesenden Botschafterinnen und Botschafter zeigten auch durch ihre Fragen ein großes Interesse für die Hamburger Politik. Der Botschafter von Kuwait Musaed Al-Hardun, gerade nach Berlin gekommen, wollte mehr über die sprachliche Bildung und berufliche Chancen für Migrantenkinder wissen, der Botschafter Ugandas Francis Kamujanduzi Butagira fragte nach dem komplizierten Verhältnis zwischen der Vertretung der Landes- und der Parteiinteressen bei einer solchen Koalitionsbildung. Fragen und Beiträge anderer Botschafter, wie von Ivo Lubenov Petrov (Bulgarien), Michele Valensise (Italien) und Miro Kovac (Kroatien), vertieften das Gespräch mit Freiherrn von Beust, der trotz seines außerordentlich knappen Zeitplans lieber auf das köstliche Essen verzichtete als auf die Gelegenheit, möglichst viele Fragen seiner Zuhörer zu beantworten. Nach dem Gespräch fuhr der Hamburger Bürgermeister schnell zum Bundesrat.
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